das magazin / 21. Dezember

    „Wir möchten helfen. Wir MÜSSEN helfen.“

    Unwetter, Zerstörung, Chaos – und sehr viel menschliches Leid, aber auch eine große (spontane) Solidarität prägten den Sommer in Teilen Europas, unter anderem auch in der Tschechischen Republik. In den Abendstunden des 24. Juni wütete ein Tornado 60 km entfernt von unserem Standort Slavkov. Sechs Menschen fielen ihm zum Opfer, 200 Menschen waren verletzt. Und die Lebensgrundlage von hunderten Menschen war durch die Zerstörung großer Teile der Infrastruktur von mehreren Dörfern mit einem Mal vernichtet.

    Eva Havlíčková und der Bürgermeister von Moravská Nová Ves

    Eva Havlíčková, Prokuristin von L&R Tschechien und Leiterin HR & Finances

    Die Redaktion von „das magazin“ traf Eva Havlíčková , Prokuristin von L&R Tschechien und Leiterin HR & Finances, und befragte sie zu den schweren Tagen Ende Juni und zur Reaktion von L&R.

    Frau Havlíčková : Können Sie uns schildern, wie Sie persönlich den 24. Juni und die Tage danach erlebt haben?

    Wenn man sich jetzt mit zeitlichen Abstand die Bilder ansieht, wirkt es ja wie ein Hollywood-Blockbuster. Ich wohne nicht im betroffenen Gebiet, aber ich habe das im Fernsehen gesehen. Wenn man die Aufnahmen des Tornados sieht, kann man es im ersten Moment kaum glauben, dass das wirklich passiert ist. Gleichzeitig verspürt man Angst, Sorge, Beklemmung. Man überlegt, wer in diesen Dörfern wohnt, man geht im Kopf seine Familie, Freunde, die Kolleginnen und Kollegen durch. Das Ausmaß der Zerstörung wurde ja erst am nächsten Morgen so richtig offensichtlich. Wie der Regionalgouverneur Jan Grolich schon sagte: Für die hauptbetroffenen Dörfer und Menschen was es „die Hölle auf Erden“.

    Waren auch L&R Kolleginnen oder Kollegen betroffen?

    Das war dann am nächsten Tag, einem Freitag, die alles bestimmende Frage. Durch die große Anzahl an KollegInnen in Slavkov (Anmerkung der Redaktion: Am Standort arbeiten mehr als 700 Menschen!), durch das Schichtsystem und den Umstand, dass es kurz vor dem Wochenende war, konnten wir diese Frage aber erst am Dienstag Früh mit Gewissheit beantworten: Gott sei Dank war niemand aus unserem L&R Team durch einen gesundheitlichen oder Sachschaden betroffen. Allerdings mussten einige L&R KollegInnen Schäden bei den Häusern ihrer Verwandten bedauern, diese waren teils völlig zerstört worden. Aber auch wenn niemand „direkt“ betroffen war: Ein so schreckliches Ereignis in fast unmittelbarer Nähe lässt niemanden kalt. Mehr noch: Der Drang „etwas“ zu tun, zu unterstützen, wurde sehr groß. Alle haben gesagt: Wir möchten helfen. Wir MÜSSEN helfen.

    Wie sah denn dann die erste Reaktion aus?

    Es ist am Anfang in so einer Situation immer schwierig zu bewerten, wie und wem man denn am besten helfen kann. Es herrschte in den zerstörten Dörfern ja blankes Chaos. Die Kolleginnen und Kollegen in Slavkov haben sofort begonnen intern Geld zu sammeln – das war ein großartiger Akt der Solidarität und Menschlichkeit. Das macht einen wirklich stolz, wir haben hier einen so starken Zusammenhalt und in solchen Extremsituationen zeigt sich dieser noch viel stärker. Wir Führungskräfte, also Philipp Teubl (Director POR) und Robert Ondra (Country Manager LRCZ, Leiter Vertrieb und Marketing) und ich haben dann erste mögliche Unterstützungsleistungen analysiert. Als ersten Schritt beschossen wir mit dem zu helfen, das in der Akutversorgung am meisten Sinn macht: Mit unseren Produkten. Wir versorgten also die nächst gelegenen Krankenhäuser in Breclav und Hodonin mit Produktspenden.

    Zerstörung in Moravská Nová Ves (Quelle: Wiener Zeitung)
    Wie ging es dann weiter?

    Wir haben gleichzeitig auch Kontakt zum Executive Board aufgenommen, weil wir noch mehr machen wollten. Wir sind hier ein sehr wichtiger Arbeitgeber, wir beschäftigen viele Menschen aus der Umgebung, profitieren von deren Arbeitsleistung und ihrem Engagement. Das bringt eine große Verantwortung mit sich – unseren eigenen KollegInnen gegenüber, aber auch den Menschen in unserer Nachbarschaft. Unsere KollegInnen möchten stolz sagen, dass Sie für ein Unternehmen arbeiten, dass in dieser Notsituation unterstützt. Das ist, neben jeder moralischen Verpflichtung, langfristig auch für uns als Arbeitgeber wichtig. Hier in der Umgebung sind unsere potentiellen zukünftigen MitarbeiterInnen. Ich bin sehr froh, dass das Executive Board so schnell und so positiv reagiert hat und 1 Million Tschechischer Kronen (ca. 40.000 Euro) freigegeben hat.

    Es dauerte ja nun noch ein wenig mit den Spendenübergabe?

    Ja, das ist richtig. Am Anfang passierte sehr viel „hands-on“, d.h. Handwerker reisten durchs halbe Land und halfen. Die betroffenen Dörfer mussten sich erst organisieren, Spendenkonten eröffnen. Das passierte erst im September. Und auch wir mussten entscheiden, wen wir nun unterstützen. Nach Gesprächen mit den Bürgermeistern von mehreren Dörfern haben wir uns dann für Moravská Nová Ves, Lužice und Hrušky entschieden. Das Geld wird dort in den Wiederaufbau der Infrastruktur, z.B. Kindergärten, Schulen, etc. investiert. und so eingesetzt, wie es jetzt am dringlichsten und sinnvollsten ist.

    Wie ging es mit der Spende der KollegInnen weiter?

    Am Standort wurde ja gleich zu Beginn schon Geld gesammelt. Es war den KollegInnen ganz wichtig, von sich etwas zu geben. Dieses Bedürfnis riss auch nicht ab. Daher haben wir im Juli dann auch die Möglichkeit eröffnet über die Gehaltsabrechnung zu spenden und diese Mitarbeiter-Spendensammlung auch viel länger, als ursprünglich geplant, offen gelassen, nämlich bis 30. September 2021. So konnten insgesamt nochmals 50.000 Tschechische Kronen gesammelt werden. Dieses Geld wurde, nach sorgfältiger interner Prüfung und Konsultation mit den Bürgermeistern in den Dörfern, zwei Familien übergeben, von deren Haus nach dem Tornado nur die Mauern stehen geblieben sind. Auch wenn die Spendenabwicklung einige Zeit dauert und der Prozess etwas mühsam war: Es war wichtig zu unterstützen und es erfüllt mich mit Stolz, dass wir bei L&R bereit sind, (nicht nur) in Extremsituationen über das gewohnte Maß und über die üblichen Wege der Unterstützung hinauszugehen. Nachhaltig zu helfen, für andere da zu sein – das ist und war ganz im Sinne unseres Purpose.