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    15. Feber

    Partner Kunde - Justine Whitaker

    Wundmanagerin, Direktorin und Leiterin des Pflegepersonals an der Northern Lymphology Klinik in UK, Hochschuldozentin

    Ich bin eine berufstätige Mutter. Mein Tag fing vor zwei Stunden an: Ich habe meinen ersten Kaffee getrunken und die Kinder geweckt, damit sie rechtzeitig in die Schule kommen. Bevor ich mit meinem Mann zur Arbeit fahre, habe ich noch Zeit, kurz durch den Garten aufs Feld zu gelangen, um mit unserem Hund am Fluss Gassi zu gehen.

    An meiner Arbeitsstelle in der Klinik (Northern Lymphology Ltd.) angekommen, bereite ich mich auf die an diesem Tag zu erwartenden Patienten vor: Hier einige meiner Patienten, die wegen verschiedener Arten eines Lymphödems unterschiedlich behandelt werden ...

    ... Mein erster Patient ist ein 54-jähriger ehemaliger Marinesoldat mit einem bilateralen Lymphödem Stadium 3 an den ganzen Beinen. Seine Beine haben seit mehr als acht Monaten große Mengen Lymphflüssigkeit produziert. Seine Lebensqualität hat sich rasch verschlechtert, und er hat deshalb sogar seinen Job verloren. Bevor er eintrifft, lege ich alle Verbände und Wundauflagen zurecht, die ich voraussichtlich für ihn heute brauchen werde...

    ... Ich stoppte den Lymphaustritt bei meinem 54-jährigen Patienten buchstäblich über Nacht, indem ich an beiden Beinen ein System verwendete, dass bei Patienten mit Lymphödemen im späten Stadium 2 und Stadium 3 nicht nur zu ausgezeichneten Ergebnissen führt, sondern sie auch in die Lage versetzt, beweglich und geschützt zu bleiben: Auf den Bereich der Exsudation lege ich eine nicht klebende Vliwasorb-Saugkompresse, verbinde dann seine Zehen mit Mollelast und schließlich das gesamte Bein vom Fuß bis zum Oberschenkel fest mit Rosidal soft. Darüber lege ich einen Actico Kohäsiv-Verband in achtförmiger Technik an...

    ... Es ist schon sehr emotional, wenn ein Patient mehr als acht Monate lang zu Hause etwas nicht tun konnte und jetzt wieder die Möglichkeit hat, dies zu tun, z. B. sich einfach selbst zu waschen. Ich bin wirklich glücklich, dass meine Klinik mir die Möglichkeit bietet, durch meine Therapiekonzepte eines der grundlegenden Lebensbedürfnisse zu erfüllen, was für den Gesamtansatz der individuellen Versorgung so entscheidend ist. Danach, während der manuellen Lymphdrainage und der Durchführung der intermittierenden pneumatischen Kompression, hatten mein Patient und ich die Gelegenheit, etwas über das Leben des Anderen zu erfahren.

    Dieser persönliche Kontakt hilft mir, die weitere Versorgung des Patienten zu planen, die ganz persönlich auf ihn zugeschnitten ist. Das ist ein Trick, denn der Patient merkt gar nicht, dass ich das bewusst tue. Nach einer halbstündigen Behandlung ist die intensive Phase abgeschlossen. Die Verbände sind angelegt, weitere Anweisungen gegeben, der Patient geht...

    ...Mittagspause. 45 Minuten Zeit, um meine zweite Tasse Kaffee zu trinken, schnell einen Käsetoast und eine Banane zu essen, E-Mails zu beantworten und Telefongespräche zu führen. Schnelles Telefongespräch mit meinem Mann Richard, Finanzdirektor der Northern Lymphology Ltd., um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen und abzuklären, dass er sich in dieser Zeit um die Kinder kümmert. Zurück an meinem Arbeitsplatz...

    ...Nächster Patient. Eine Frau mit Brustkrebs. Nach einer Mastektomie hat sie jetzt ein Lymphödem des Armes. In anderthalb Stunden erkläre ich ihr in allen Einzelheiten, warum es aufgetreten ist und wie wir es behandeln können, aber auch, dass es sich um eine lebenslange Erkrankung handelt. Ich gebe mir die größte Mühe, ihr Mut zuzusprechen, indem ich ihr von einigen positiven Erfahrungen berichte. Wir erörtern die Behandlungsmöglichkeiten und beginnen mit einem rundgestrickten kombinierten Armstrumpf. Die MLD-Sitzungen werden nächste Woche starten. Eine Woche Zeit für die Patientin – nicht nur, um den Armstrumpf zu besorgen, sondern auch, um ihre Einstellung in eine positive Richtung zu lenken…

    ...Ich liebe es, Menschen kennenzulernen, und finde ihre Lebensgeschichten oft beeindruckend, und ich weiß auch, dass ich mich in meiner Uniform in einer sehr privilegierten Position befinde! Selbst nach einem ausgefüllten Tag mache ich mir manchmal eine Tasse entkoffeinierten schwarzen Tee und schalte meinen Laptop ein, z. B. um nur noch mal ein paar Behandlungen zu überprüfen, bevor meine Studenten kommen. Ich bin bei der Northern Lymphology Ltd. nicht nur Direktorin und Leiterin des Pflegepersonals, sondern halte als Hochschuldozentin an der University of Central Lancashire (Uclan), Preston, Großbritannien, einmal wöchentlich Vorlesungen für den Erwerb eines Fortgeschrittenenzertifikats in der Behandlung chronischer Ödeme. Auch das ist ein sehr privilegierter Job, der es mir ermöglicht, meine jahrelangen Erfahrungen und Kenntnisse an die nächste Generation von Pflegekräften und Physiotherapeuten weiterzugeben, die lernen wollen, wie man Lymphödeme behandelt…

    Gesundheitssystem in UK

    Der Nationale Gesundheitsdienst Englands möchte eine freie Gesundheitsversorgung. Die Briten können sich über eine weitestgehend kostenlose Versorgung freuen, doch lange Wartezeiten auf Termine und Behandlungen gehören zum Alltag. Simon Stevens, Chef der NHS England, hat einen Fünfjahresplan entwickelt, um seine Vision umzusetzen: eine integrierte, personalisierte und kosteneffiziente Gesundheitsversorgung.

    Der Plan:

    • Massive Investitionen in Prävention, öffentliche Gesundheit sowie in das Selbstmanagement der Patienten
    • Stärkere Verlagerung der Patientenversorgung auf die lokale Ebene
    • Bessere Vernetzung von medizinischem Personal und Versorgungsanbieter

    Der Faktencheck:

    • 9,3 Prozent des BIP werden in den Gesundheitsbereich investiert; laut OECD-Vergleich ein Durchschnittswert, aber in vielen anderen europäischen Ländern fließt ein höherer Prozentsatz in die Gesundheit.
    • Seit dem Jahr 2000 wird mehr medizinisches Personal ausgebildet, und der Zugang zur Versorgung hat sich verbessert: – In 2015 stehen pro 1.000 Einwohner 2,8 Ärzte zur Verfügung; in 2000 waren es lediglich 2,0 Ärzte pro 1.000 Einwohner – Auf 1.000 Einwohner kommen 8,2 Krankenschwestern; im OECD-Vergleich sind es 8,8.
    • In Krankenhäusern zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Es gibt 2,8 Krankenhausbetten für 1.000 Bürger, der OECD-Durchschnitt liegt bei 4,8.