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    das magazin / 29. März

    Design Thinking – Innovationsmethode & Innovationskultur

    Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen.

    Im Gegensatz zu vielen Herangehensweisen in Wissenschaft und Wirtschaft, die Aufgaben von ihrer technischen Lösbarkeit ausgehend begreifen, stehen Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden im Zentrum des Prozesses. Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich dadurch in die Situation des Anwenders.

    Design Thinking fordert eine stetige Rückkopplung zwischen dem Entwicklerteam einer Lösung und deren Zielgruppe. Design Thinker stellen dem (End-)Nutzer Fragen und nehmen seine Handlungsabläufe und Verhaltensweisen genau unter die Lupe. Lösungen und Ideen werden in Form von Prototypen möglichst früh sichtbar und kommunizierbar gemacht, damit potenzielle Anwender sie – noch lange vor der Fertigstellung oder Markteinführung – testen und ein Feedback geben können. Auf diese Weise erzeugt Design Thinking anwendungsfreundliche Ergebnisse.

    Design Thinking nimmt die menschliche Perspektive zum Ausgangspunkt der Fragestellung, um innovative Produkte, Services oder Erlebnisse zu gestalten, die nicht nur attraktiv, sondern auch technisch machbar und marktfähig sind.

    Drei wichtige Faktoren machen Design Thinking erfolgreich: die Zusammenarbeit von multidisziplinären und entscheidungsfähigen Teams, ein dem DT-Prozess folgender Arbeitsablauf und variable Räume für kollaboratives Arbeiten. Prof. Uli Weinberg Leiter der School of Design Thinking, hebt hervor, dass Design Thinking „mehr ist als nur ein kreativer Prozess. Die Strahlkraft besteht darin, neue und überraschende Formen der kreativen Zusammenarbeit zu ermöglichen. Design Thinking bietet mit dem Fokus auf kollaborative Fähigkeiten, iterative Prozesse und variable Räume die nötigen kulturverändernden Elemente.“

    1 MULTIDISZIPLINÄRE TEAMS

    Silodenken war gestern. Innovation und Antworten auf komplexe Fragestellungen entstehen am besten in einem hierachiearmen, multidisziplinären Team. Unterschiedliche fachliche Hintergründe und Funktionen sowie Neugier und Offenheit für andere Perspektiven sind das Fundament der kreativen und fehlertoleranten Arbeitskultur Design Thinking. Teams arbeiten immer auf anfassbare und konkrete Ergebnisse hin, die dann regelmäßig mit den Nutzern getestet werden, um den größtmöglichen Lerneffekt zu erzielen. Die Aufteilung in kleine Gruppen stellt sicher, dass jede Perspektive berücksichtigt werden kann. Innerhalb der Teams entsteht ein starker Zusammenhalt, der durch die hohe Akzeptanz für die entstehenden Konzepte nachhaltig wirkt.

    2 DESIGN-THINKING-PROZESS

    Der Design-Thinking-Prozess ist an den Arbeitsprozess angelehnt, dem Designer intuitiv folgen. Er führt Teams in iterativen Schleifen durch sechs verschiedene Phasen. Echtes Problemverständnis kommt vor der Problemlösung. Jedes Projekt startet mit einer konkreten Design Challenge wie z. B.: Wie können wir Erste Hilfe für Nicht-Profis verbessern? In der ersten Phase, dem Verstehen, steckt das Team den Problemraum ab. In der Phase des Beobachtens wird Empathie für Nutzer und Betroffene aufgebaut. Methoden wie Interviews, Beobachtung von Verhalten oder Immersion (Hineinversetzen in den Nutzer und Eintauchen in seine Lebenswelt) ermöglichen diesen Zugang. Anschließend wird in der dritten Phase eine gemeinsame Sichtweise im Team definiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden zusammengetragen und in der Synthese zu einem Standpunkt (Point of View) verdichtet. In der Phase „Ideen finden“ entwickelt das Team zunächst eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten, um sich dann auf die Qualität der Ideen zu fokussieren. Schließlich werden Ideen anfassbar gemacht, indem Prototypen entwickelt werden, um sie dann mit Nutzern zu testen und zu iterieren. Iterieren bedeutet dabei, in flexiblen Schleifen kontinuierlich zu lernen, Ideen zu verbessern oder komplett zu verwerfen.

    3 VARIABLER RAUM

    Damit ein Team seinen Kreativprozess durchlaufen kann, benötigt es dafür räumliche Gegebenheiten, die die Flexibilität und Dynamik im Denken unterstützt. Dazu gehören bewegliche Möbel, ausreichend Platz für Whiteboards und Präsentationsflächen sowie Materialien zur prototypischen Gestaltung von Ideen, beispielsweise Legosteine, Stoffe oder Pfeifenputzer. Design Thinker arbeiten viel im Stehen, um eine aktive Körperhaltung einzunehmen. Innovationsräume sind in der Design-Thinking-Kultur keine geheimen einsamen Labs, sondern ein Ort der Kollaboration, in denen sich Teams jederzeit austauschen können. Auf diese Weise wird die Zusammenarbeit zu einem dynamischen und kreativen Erlebnis für alle Beteiligten.

    Zur Person:

    Flavia Bleuel gestaltet und moderiert als Programm-Manager Innovationsformate für Professionals an der HPI Academy und coacht Studierende an der HPI School of Design Thinking. Flavia ist Mitgründerin des Coobeya Experten-Netzwerks für Innovation und lehrt Kommunikationsforschung und Medienpsychologie. Darüber hinaus trainiert sie Menschen in der Analyse nonverbaler Kommunikation.