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    das magazin / 30. Jänner

    “One step closer to managing biofilm in chronic wounds.”

    Zur Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums „Biofilm“ am Entwicklungsstandort Schönau an der Triesting veranstaltete L&R ein Symposium mit hochkarätigen internationalen Experten am Headquarter in Wien.

     

     

    L&R vergrößert die Laborkapazitäten am Entwicklungsstandort Schönau an der Triesting und investiert in ein unternehmenseigenes Kompetenzzentrum mit Fokus auf Biofilm und die Entwicklung von antimikrobiellen Wundauflagen. Durch den Ausbau des Mikrobiologie- Labors, das nun fast die doppelte Fläche umfasst, können sowohl Entwicklungsprozesse intern optimiert als auch neue Produktlösungen mittels standardisierter Methoden vergleichend geprüft und analysiert werden. lm Mittelpunkt steht die Erforschung des Biofilms, der ein kritischer Bestandteil fast aller chronischen Wunden ist, und die daraus resultierende Entwicklung wirksamer antimikrobieller Wundauflagen.

    Mit dem neuen Kompetenzzentrum setzt L&R neue Maßstäbe in der Biofilm-Forschung. Das Labor ist Wirkungsstätte für ein interdisziplinäres Team aus Mikrobiologen, Chemikern, Biologen und Textilingenieuren, die der Biofilmproblematik aus medizinischer Sicht auf den Grund gehen. „Mit größeren Kapazitäten, neuen Laborgeräten und zusätzlichen Arbeitsplätzen sind wir hervorragend aufgestellt, unsere Forschung und Entwicklung zu optimieren. Jetzt können wir in eigener Regie neue Produktlösungen mittels standardisierter Methoden vergleichend prüfen und analysieren“, erläuterte Dr. Christian Rohrer, Head of Research & Development bei L&R.

    Virtuelle Reise nach Schönau

    Anlässlich der Gründung des Kompetenzzentrums hatte L&R Research & Development internationale Experten aus Klinik und Forschung zu einem Symposium in das hauseigene Schulungszentrum nach Wien geladen – eine gute Gelegenheit, sich über die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema Biofilm und Wundheilung auszutauschen. Live zugeschaltet via Webkonferenz waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Rengsdorf, Wien, Schönau und Slavkov. Sie konnten sich sowohl an der lebhaften Diskussion beteiligen als auch an der virtuellen Führung durch das neue Labor am Bildschirm teilnehmen.

    Mikroorganismen – Freund oder Feind?

    Univ.-Professorin Christine Moissl-Eichinger, Graz, erläuterte in ihrem Vortrag die Bedeutung von Mikroorganismen für die menschliche Gesundheit: „Wenn die Beziehung zwischen Körper und Mikroben aus dem Gleichgewicht gerät, entwickelt sich eine Dysbiose, die mit verschiedenen Krankheitsmustern wie zum Beispiel Diabetes oder entzündlichen Darmerkrankungen in Zusammenhang steht.“ Wichtig für ein gesundes Mikrobiom sei seine Vielfalt an Mikroorganismen – sie ist ein Zeichen für ein stabiles Ökosystem.

    Der Mensch bietet einer ganzen Reihe von Mikroorganismen, dem sogenannten Mikrobiom, einen Lebensraum. Die unsichtbaren Mikroben besiedeln Haut, Schleimhäute in Darm, Nase und anderen Nischen. In der Regel leben wir mit ihnen in Einklang: Sie interagieren mit unserem Immunsystem, unterstützen unsere Verdauung und produzieren für uns wichtige und nützliche Substanzen.

    Prof. Thomas Bjarnsholt von der Abteilung für klinische Mikrobiologie der Universität Kopenhagen, Dänemark.

    Der Biofilm ist eine Gemeinschaft von winzigen Einzellern.

    Mikroben wissen sich zu schützen

    Mikroorganismen – Bakterien, Pilze oder Algen –, sie alle sind Überlebenskünstler, die eine enorme Anpassungsfähigkeit besitzen. So ist der Biofilm eine Gemeinschaft von Mikroorganismen, die sich zum Schutz vor widrigen Umwelteinflüssen ihren eigenen Mikrokosmos schaffen. Sie umgeben sich mit einer wässrigen Hülle aus Biopolymeren – ein Hydrogel, welches eine Schutzmatrix darstellt. Angereichert wird dies mit allerlei Substanzen, wie zum Beispiel Stoffwechselprodukten oder Signalstoffen, die den Mikroorganismen untereinander zur Kommunikation dienen. So wird der Biofilm zu einer hartnäckigen Angelegenheit – denn er bietet den Mikroben Schutz vor dem Austrocknen und Angriffen von außen.

    Nach jüngsten Untersuchungen sind rund drei Viertel aller chronischen Wunden mit Biofilm bewachsen. Dort wird er zu einer therapeutischen Herausforderung. Das Problem: Weder das körpereigene Immunsystem noch antimikrobielle Substanzen können dort den Mikroorganismen etwas anhaben. Prof. Thomas Bjarnsholt von der Abteilung für klinische Mikrobiologie der Universität Kopenhagen, Dänemark, verdeutlichte die medizinische Problematik: „Biofilm wird zunehmend in Verbindung mit vielen chronischen Infektionen gesehen, das gilt auch für chronische Wunden. Wahrscheinlich ist er dort für eine verzögerte Wundheilung verantwortlich. Das erfordert neue Behandlungsstrategien, um das Problem effektiv anzugehen.“ Bislang beinhaltet die Behandlung chronischer Wunden ein zielgerichtetes Debridement des Biofilms und eine anschließende antimikrobielle Behandlung. L&R bietet dafür bereits innovative Lösungen an: Das Monofilamentfaser-Pad Debrisoft entfernt effektiv und schonend Beläge und Debris. Der Debrisoft Lolly wurde speziell für das Debridement tiefer Wunden entwickelt.

    Nachweismethoden auf dem Prüfstand

    Laut Dr. Georgina Gethin, Galway, Irland, sei die Entwicklung von Diagnoseverfahren für Biofilm eine besondere Herausforderung. Randomisierte, kontrollierte Studien verfügten über das ideale Design, um den Wert eines Diagnoseverfahrens zu überprüfen. Einen natürlichen Biofilm unter künstlichen Laborbedingungen zu erhalten ist nicht einfach. Das schränkt die Aussagekraft von In-vitro-Testverfahren, die auf Modellsystemen für Biofilme beruhen, ein. So hat Dr. Cornelia Wiegand, Jena, widersprüchliche Ergebnisse in Studien gefunden. Dies sei auf unterschiedliche Modellsysteme zurückzuführen, die in ihren Eigenschaften und den Ergebnissen signifikant voneinander abweichen. Sie rät, dies bei der Auswahl von Testverfahren und der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen.

    Auch Prof. Tom Coenye, Ghent, Belgien, thematisierte die große Anzahl unterschiedlicher In-vitro- und In-vivo-Modellsysteme für Biofilm. Die Modellsysteme seien notwendig, um ein besseres Verständnis über die Ausbildung von Toleranzen und Resistenzen des Biofilms zu erlangen. „Sie sind hilfreich bei der Untersuchung der Wirksamkeit neuer antimikrobieller Produkte und deshalb essenziell für ihre Entwicklung“, so Coenye. „Hierbei ist jedoch eine große Variabilität in der Aussagekraft von In-vitro und In-vivo-Systemen gegeben, welche bei der Interpretation von Daten unbedingt berücksichtigt werden müssen.“

    Im Anschluss an die Vorträge konnten die Teilnehmer bei einer virtuellen Tour einen umfassenden Eindruck von den Erweiterungen und Möglichkeiten des neuen L&R Mikrobiologie-Labors gewinnen. Wolfgang Süßle, Geschäftsführer, und Dr. Christian Rohrer zogen ein positives Resümee der Veranstaltung: „Mit der Gründung des neuen Kompetenzzentrums ,Biofilm‘ liegen wir offenbar genau richtig. Wer die Behandlung chronischer Wunden optimieren möchte, kommt an dem Thema Biofilm nicht vorbei. Die Evaluation neuer Modellsysteme ist eine Herausforderung, aber unverzichtbar für die Etablierung neuer Methoden und antimikrobieller Produkte. Daran möchte die L&R Gruppe aktiv mitwirken, und das neue Labor bietet dafür beste Bedingungen.“

    Durch eine Glastür betritt man den Mikroskopieraum, der mit einem Fluoreszenzmikroskop ausgestattet ist.

    „ Mit der Gründung des Kompetenzzentrums Biofilm liegen wir offenbar genau richtig.“

    Modell zur Testung der Wundreinigung.