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    13. März

    Hygiene – einmalig gut.

    Einwegprodukte im OP.

    Wer sich operieren lässt, muss vertrauen. Vertrauen in die Expertise und Erfahrung von Ärzten und OP-Personal, aber auch in die Hygienestandards des Krankenhauses. Denn selbst bei Routineeingriffen kommt es leider immer wieder zu – vermeidbaren – Wundinfektionen. Kliniken können sich heute im Wettbewerb um die Patienten positionieren und ihnen ein gutes Gefühl geben, indem sie zum Beispiel Einwegmaterialien für Operationen nutzen und schlanke Prozesse installieren. Das kommt auch der Sicherheit der Patienten zugute.

    Zweimal pro Woche steht Christiane Auras im OP. Dann assistiert sie bei Operationen von Bändern, Gelenken und anderen orthopädischen Problemen. Auras ist Praxismanagerin der Sporthomedic, einer Sportorthopädischen Praxisklinik in Köln. „Unsere Patienten gehen davon aus, dass ihre Operation nach dem bestmöglichen Standard abläuft. Und das tut sie bei uns – auch aufgrund der Einweg-OP-Textilien, die wir nutzen.“ Die Materialien schützen sowohl die Patienten wie auch die Mitarbeiter der Praxis vor Infektionen. „Die Einmalverwendung stellt sicher, dass möglicherweise kontaminierte, infektiöse Produkte direkt entsorgt werden, ohne dass sie noch einmal jemand anfassen muss“, erklärt Auras.

    Doch so optimal läuft es noch nicht überall: Laut Angaben des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) erkranken in Europa jährlich etwa 3,2 Millionen Menschen an nosokomialen Infektionen. Rund 37.000 Patienten sterben jedes Jahr an Infektionen, die durch eine Operation entstanden sind. Der Anteil operationsbezogener Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) macht mit fast einem Fünftel einen erheblichen Teil der Infektionen aus. Das ECDC geht davon aus, dass 20 bis 30 Prozent aller Krankenhausinfektionen durch intensive Hygiene- und Kontrollprogramme vermieden werden könnten.

    Europaweit sterben jährlich rund 37.000 Patienten an nosokomialen Infektionen, die durch Operationen entstanden sind.

    (Quelle: zitiert nach: Frohner U., KeiblingerK., Kunze M., Schmidhammer R. [2014]:Die Rolle von OP-Abdeckungen und -Mäntelnin der Prophylaxe operationsbezogenerInfektionen. ExpertInnen-Papier derInitiativeSicherheit im OP.)

    Die Folgen mangelnder Hygiene sind häufig lebensbedrohlich für die Patienten. Darüber hinaus sind sie – aus Sicht der Kliniken und Ärzte –auch haftungsrechtlich relevant. „Die öffentliche Sensibilisierung nimmt zu, und es wird wohl verstärkt zu Klagen und Schadenersatzbegehren kommen“, erklärte Dr. Monika Ploier auf einer Veranstaltung der Initiative „Sicherheit im OP“, die im November 2017 in Wien stattfand. Ploier ist Rechtsanwältin bei HLMK-Rechtsanwälte in Wien und Medizinrechtsexpertin. „Bisher galten nosokomiale Infektionen als eine Art unvermeidliche Begleiterscheinung eines Klinikaufenthalts“, sagt sie.„Diese Sichtweise ändert sich aber zunehmend – nicht zuletzt, weil inzwischen etliche Studien zeigen, dass sich derartige Infektionen häufig verhindern ließen.“

    links: Christiane Auras, rechts: Dr. Monika Ploier

    Zum Beispiel lassen aktuelle Untersuchungen darauf schließen, dass Einweg-OP-Mäntel und Einweg-OP-Abdeckungen vor allem bei Operationen mit hohem Infektionsrisiko die Infektionsrate niedriger halten als entsprechende Mehrwegprodukte. Das gilt insbesondere bei herzchirurgischen Eingriffen, Implantat-basierten Brustrekonstruktionen und chirurgischen Eingriffen mit Implantaten.

    Die Gründe liegen auf der Hand: Einweg-Medizinprodukte wurden zuvor nie benutzt, mögliche Rückstände früherer Einsätze kann es also nicht geben. Einweg-OP-Abdeckungen und -mäntel nutzen sich im Gegensatz zu Mehrwegmaterialien nicht ab. Um eine optimale Keimbarriere zu gewährleisten, müssen die Materialien für Mikroben undurchlässig sein, frei von Mikroorganismen und organischen Rückständen sowie flusenfrei, flüssigkeitsundurchlässig, reiß-, zug- und druckfest. Das alles kann die bei Mehrwegprodukten genutzte Baumwolle trotz regelmäßiger Imprägnierung und Sterilisierung nicht immer hundertprozentig gewährleisten.

    • Laut Angaben des „European Centre for Disease Prevention and Control“ (ECDC) erkranken in Europa jährlich etwa 3,2 Millionen Menschen an nosokomialen Infektionen.
    • Die Behandlungskosten durch eine Wundinfektion steigen nach Schätzungen auf das 2,9-Fache der Standard-Behandlungskosten.
    • 19,6 Prozent der nosokomialen Infektionen entstehen bei operativen Prozeduren während eines Krankenhausaufenthaltes. Demnach sind pro Jahr ca. 500.000 Menschen in Europa davon betroffen.

    Eine Studie, die im Fachmagazin „Journal of Cardiothoracic Surgery“ erschienen ist, ergab, dass die Häufigkeit von Infektionen in der Untersuchungsgruppe mit Einweg-OP-Abdeckungen um 68 Prozent niedriger war als in der Gruppe, in der Mehrweg-OP-Abdeckungen genutzt wurden. Die Studienautoren schließen daraus, dass ein „großzügigerer Einsatz von Einweg-OP-Abdeckungen postoperative Infektionen durch mangelnde Hygiene verringern kann“.

    „Natürlich passieren Hygienefehler nicht aus böser Absicht“, sagt Ploier. Oft sei es einfach ein kurzer Moment der Gedankenlosigkeit. Die Belastung durch den zunehmenden Personalabbau spiele da sicher auch eine Rolle. „Für das Krankenhaus ist das aber keine Entschuldigung, die in einem Verfahren relevant wäre. In so einem Fall ist die Klinik immer in der Haftung.“ Sollte sich ein Behandlungsfehler durch fahrlässigen Umgang mit bestehenden Hygienevorschriften nachweisen lassen, erklärt Ploier, liege aus strafrechtlicher Sicht eine fahrlässige Körperverletzung, im schlimmsten Fall sogar eine fahrlässige Tötung vor.

    Um es auf keinen Fall so weit kommen zu lassen, setzen viele Praxen zunehmend auf  Einwegmaterialien. 

    Jeder zehnte Krankenhauspatient infiziert sich in Europa in einer Klinik mit dem Keim.

    Die orthopädische Praxisklinik Sporthomedic nutzt schon seit Jahren nur noch Einwegtextilien für ihre Operationen. „Bei der heutigen Fülle von Keimen halte ich es für bedenklich, OP-Textilien wiederaufzubereiten“, sagt Praxismanagerin Auras.

    Es gibt jedoch auch Verfechter der Mehrweg-OP-Mäntel, wie eine Befragung der TU Dresden in insgesamt 865 Kliniken ergab. Die aufgeführten Gründe für die Mehrwegtextilien waren vor allem Tragekomfort und ökologische Aspekte. Diese Einwände kann Auras jedoch nur schwer nachvollziehen: Mangelnder Komfort und fehlende Atmungsaktivität von Einwegtextilien seien ihr noch nie negativ aufgefallen. Und im Zweifelsfall sei Hygiene ohnehin immer wichtiger als Komfort. „Für uns sind Einmalprodukte die besseren Produkte. Stoff beinhaltet auch immer Staub. Und Staub ist ein Killer im OP.“ Deshalb nutzt die Sporthomedic die L&R OP-Mehrkomponentensysteme Kitpack. Darin sind alle für eine Operation benötigten Einweg-Medizinprodukte enthalten und unter Reinraumbedingungen gemeinsam verpackt. So würden die Gefahrenquellen einer Kontaminierung bestmöglich umgangen, sagt Auras. Sie ist überzeugt, dass sich die Einwegtextilien in Zukunft durchsetzen werden, weil so die Infektionsraten reduziert werden können.

    Ein weiterer Schlüssel dazu sei Aufklärung, sagt Medizinrechtsexpertin Ploier. Denn Hygiene ist ein Thema, das im medizinischen Arbeitsalltag noch immer häufig vernachlässigt wird. „Kliniken sollten sich regelmäßig über hygienerechtliche Vorgaben fortbilden lassen“, empfiehlt Ploier, „Hygieneexperten die relevanten Richtlinien kennen und einhalten.“ Und Patienten sollten sich im Vorfeld einer Operation über die Hygienestandards des Hauses informieren. Denn das Wissen um die richtigen Maßnahmen schafft Vertrauen und gibt Sicherheit – auch schon vor der OP.

    Hier setzt L&R mit seiner neuen Kampagne an: der Bewegung „hygiene in practice“.

    38 % der postoperativen Todesfälle werden Wundinfektionen zugeschrieben.

    Operationsbezogene Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) machen einen erheblichen Prozentsatz der nosokomialen Infektionen aus. Sie haben gravierende ökonomische und medizinische Folgen. Die medizinischen Folgen reichen von einer Verzögerung der Wundheilung bis hin zu schwersten Komplikationen, die einen stationären Klinikaufenthalt erheblich verlängern können. Auch werden bis zu 38 Prozent der postoperativen Todesfälle einer Wundinfektion zugeschrieben.

    Mit „hygiene in practice“ möchte L&R dabei helfen, Infektionsraten zu minimieren. Die Kampagne ist eine Bewegung, die sich an all diejenigen richtet, die sich für eine saubere und sterile Arbeitsumgebung einsetzen. Denn nur durch einen hohen Hygienestandard kann medizinisches Fachpersonal Sicherheit und Gesundheit sowohl für sich selbst als auch für seine Patienten gewährleisten. Auf der „hygiene in practice“-Plattform im Web bieten wir sowohl Informationen als auch Lösungen. Wir begleiten Fachkräfte mit Artikeln zu aktueller Forschung auf den Gebieten Hygiene, Mikrobiologie und Epidemiologie und kombinieren Wissenschaft mit praktischen Richtlinien, nützlichen Fakten und alltäglichen Erfahrungen von Gesundheitsexperten in Bezug auf Schutz- und Komfortfragen.
    hygiene-in-practice.com