das magazin / 19. Oktober

    Wachstumsmärkte voller Gegensätze.

    L&R im Nahen Osten, Afrika und darüberhinaus.

    Der Nahe Osten ist eine höchst heterogene Region. Boomstädte und -regionen am Persischen Golf wie Dubai oder Qatar werden konterkariert von Krisenregionen wie Syrien und Libyen. Länder mit einem modernen, gut ausgebauten Gesundheitssystem wie Saudi Arabien oder Kuwait stehen Länder wie der Irak oder Sudan gegenüber, in denen eine flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung erst noch aufgebaut werden muss. Für L&R betreut die Division „Middle East & Africa“ vom Standort Dubai aus die Region. Und weil hier Expertisen für unterschiedlichste Märkte konzentriert vorhanden sind, werden auch afrikanische Länder wie Südafrika, oder asiatische Wachstumsmärkte wie Indien von Dubai aus mit medizinischen Produkten versorgt. Wie ist der Gesundheitsmarkt in der Region organisiert, welche Herausforderungen gilt es zu meistern und was bringt die Zukunft? Das magazin wirft einen näheren Blick auf diese spannende Region.

    Facts & Figures: L&R im Nahen Osten & Afrika

    • Vier Vertriebsstandorte in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), Casablanca (Marokko), Algier (Algerien) und Tunis (Tunesien), zahlreiche Vertriebspartner in anderen Märkten
    • 26 Mitarbeiter – Tendenz steigend
    • Steuerung von insgesamt 25 Märkten in Afrika und Asien
    • Stärkste Märkte: Vereinigte Arabische Emirate, Marokko, Saudi Arabien
    • Größtes Wachstumspotenzial: Türkei, Irak, Algerien, Indien
    • Kerngeschäftsfelder: In der Region werden Produkte aus allen Kerngeschäftsfeldern vertrieben. Von der Wundversorgung, über Bandagen und Orthesen, bis hin zu OP-Produkten.  

    Präsentation des CNP P3 Therapiesystems im Zuge der Arab Health

    Während der nordafrikanische Markt früher, auch aus historischen Gründen, von Frankreich aus betreut wurde, so ist Dubai seit 2018 der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Nahost- und Afrika Geschäftes von L&R. In keiner Stadt manifestiert sich der Wandel der Region so stark wie in der Metropole am Persischen Golf. Aus dem verschlafenen Fischerdorf wurde innerhalb weniger Jahrzehnte eine Metropole mit ca. 4 Millionen Einwohnern und ein Finanz- und Handelszentrum von globaler Bedeutung. Umgeben von Wüstensand befindet sich hier der größte Hafen im Nahen Osten, der Flughafen mit dem drittgrößten jährlichen Passagieraufkommen der Welt und natürlich Burj Dubai, das mit über 800 Metern höchste Gebäude der Welt. Nirgendwo auf der Welt findet man mehr Wolkenkratzer mit über 300 Metern Höhe – und der Bauboom hält an. Auch das lokale L&R Office befindet sich in einem modernen Koloss aus Stahl, Glas und Beton, aus dem man einen großartigen Blick über die Stadt genießt.

    Nicht zum ersten Mal steht die islamische Welt sinnbildlich für Fortschrittlichkeit. Im Mittelalter erlebten die Wissenschaften eine wahre Blüte in der Region. Vor allem auf dem Gebiet der Medizin leisteten islamische Gelehrte Großes und hatten ihren europäischen Kollegen einiges voraus. Während antikes Wissen im europäischen „dunklen Mittelalter“ verloren ging, so schloss man im Nahen Osten teils nahtlos an die Lehren der alten Römer und Griechen an. Mit der Hilfe begabter Übersetzer wurden lateinische und griechische Texte ins Arabische übersetzt, die enthaltenen Lehren weiterentwickelt und an sogenannten „Madrasa“ gelehrt. Diese Schulen entwickelten sich häufig zu hochspezialisierten Akademien und befanden sich oft im regen Austausch mit Krankenhäusern. So besuchten die Studenten auch dortige Patienten, um ihrer Behandlung beizuwohnen – ganz ähnlich wie heutige Medizinstudenten. Schon bald war die islamische Medizin die wohl fortschrittlichste der Welt und auch christliche und jüdische Gelehrte sahen das Arabische als Sprache der Wissenschaft.

    Der persische Gelehrte Rhazes (865 – 925) war einer der ersten, der mit Gipsverbänden zur Heilung von Knochenbrüchen experimentierte. Er verwendete Bandagen, die er durch eine Mixtur aus Kalk und Eiweiß stärkte. Mehr als tausend Jahre später versorgt L&R zahlreiche arabische Märkte nicht nur mit den klassischen Cellona Gipsbinden, sondern auch mit modernen, synthetischen Cellacast Stützverbänden auf Glasfaser-Basis. Neben dem Bereich Bandagen und Orthesen liegt aber vor allem in der Wundversorgung sowie im Bereich der OP-Produkte enormes Wachstumspotenzial verborgen. Viele Länder unternehmen große Anstrengungen, den Lebensstandard ihrer Einwohner stetig zu steigern. Die flächendeckende und moderne medizinische Versorgung stellt hier ein Schlüsselelement dar. L&R mit seiner umfangreichen Produktpallette kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten. 

    Dabei ist es nicht immer leicht, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Märkte einzugehen. Während Länder wie Algerien und Tunesien stark von Ihrer Vergangenheit als französische Kolonie beeinflusst sind und die Organisation des Gesundheitssystems durchaus jener kontinentaleuropäischer Länder gleicht, so hinterließ das Vereinigte Königreich seine Spuren im Gesundheitssystem von Indien oder dem Irak. In anderen Ländern des Nahen Ostens wie Saudi Arabien wiederum ist der Einfluss der USA stark spürbar. Auch hinsichtlich der Ausgaben für die medizinische Versorgung ist die Region keinesfalls homogen. Die ölreichen Golfstaaten, zu denen auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehören, können ihrer Bevölkerung einen hohen Standard an medizinischer Versorgung bieten und bauen ihr Netz an Krankenhäusern und medizinischen Zentren stetig aus. In Dubai und den anderen Emiraten ist die Gesundheitsversorgung für Staatsbürger völlig kostenfrei zugänglich. Der Standard in den über 100 Krankenhäusern des Landes ist groß und mit Projekten wie der „Dubai Healthcare City“ in einer eigens geschaffenen Freihandelszone für Unternehmen der Gesundheitsbranche möchte man diesen nicht nur weiter steigern, sondern auch den Gesundheitstourismus nach Dubai ausbauen. 

    Andere Märkte können nur einen deutlich geringeren Anteil ihrer Staatsausgaben für das Gesundheitssystem aufbringen, stechen aber durch ihre große Bevölkerung hervor. Ein Beispiel hierfür ist Indien mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern. Öffentliche Gesundheitsversorgung ist dort nur eingeschränkt vorhanden, ein großer Teil wird privat finanziert. Ein 2014 angekündigter Plan für eine allgemeine Krankenversicherung musste ein Jahr später aus Budgetgründen verschoben werden. Laut Schätzungen ist heute nur ca. ein Fünftel der indischen Bevölkerung krankenversichert. 

    Die Falknerei hat im Nahen Osten Tradition. Auch unser Kollege Wael Abou-Zor versucht sich darin.

    In nordafrikanischen Ländern wie Algerien ist dieser Anteil deutlich höher. Mehr als 90% der Algerier werden durch die 1975 eingeführte öffentliche Krankenversicherung versorgt. Auch wenn Algerien nicht über den selben Reichtum verfügt wie die Vereinigten Arabischen Emirate, so verfügt das Land doch über ein gut ausgebautes System an Krankenhäusern, durch das auch ländliche Regionen versorgt werden. Während Kinder, alte Menschen sowie ärmere Teile der Bevölkerung einen komplett kostenlosen Zugang zur medizinischen Versorgung genießen, müssen wohlhabendere Bürger einen Teil ihrer Gesundheitskosten selbst tragen.

    Bei allen Unterschieden, eines ist all diesen Ländern gemein: Der Bedarf an hochwertigen und innovativen Medizinprodukten ist groß. Dabei ist L&R auch auf Märkten präsent, die Konkurrenten aufgrund der schwierigen politischen Umstände bereits verlassen haben. So werden auch der Irak und Libyen mit L&R Produkten versorgt. Neben politischer Volatilität stellen auch die unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen eine Herausforderung dar, die es zu meistern gilt und die die Zukunftsplanung erschweren. Zwei- und manchmal sogar dreistellige Wachstumsraten in den meisten Staaten der Region machen dennoch sicher: Die Produkte überzeugen am Markt und all die Bemühungen tragen Früchte. Dieses Wachstum möchte man auch in Zukunft fortsetzen und den Namen Lohmann & Rauscher weiter als Sinnbild für einen starken Partner und Lösungsanbieten etablieren. Von Algerien über die arabische Halbinsel bis nach Indien.