L&R stärkt globale Präsenz, Krisenresilienz und soziale Nachhaltigkeit: Erfolgreiche Investition in Äthiopien trotz Herausforderungen
Österreichische Delegation besucht L&R-Produktionsstandort in Addis Abeba
Addis Abeba / Wien, 19. April 2026– Am 19. April 2026 besuchte eine rund 30-köpfige Delegation aus Österreich das Unternehmen LR Ethiopia Medical Manufacturing PLC (L&R Äthiopien) in Addis Abeba / Äthiopien. L&R Äthiopien ist eine Tochtergesellschaft des international tätigen Medizinprodukteunternehmens Lohmann & Rauscher (L&R) mit Wurzeln in Österreich und Deutschland. Die Delegation wurde von Dr. Peter Huber, Sektionsleiter des Bundesministeriums für europäische und Internationale Angelegenheiten (BMEIA) und der österreichische Botschafterin in Äthiopien, Dr. Simone Knapp, angeführt. Weiters nahmen Vertreter:innen der APA, der österreichischen Medien ‚Die Presse‘ und ‚Der Standard‘ sowie eine Wirtschaftsdelegation mit Repräsentant:innen österreichischer Unternehmen am Besuch teil. L&R Äthiopien ist das erste von Lohmann & Rauscher (L&R) in Afrika gegründete Produktionsunternehmen. Thomas Menitz, CEO und COO der L&R Gruppe, führte die Delegation durch die Produktion und gab Einblick in den bisherigen Weg und die Beweggründe der Investition von L&R in Äthiopien.
Die L&R Unternehmensgruppe wurde 1998 durch den Zusammenschluss der deutschen Lohmann und der österreichischen Rauscher gegründet, hat seine Wurzeln durch die Vorgängerunternehmen jedoch bereits im 19. Jahrhundert. Heute ist L&R als einer der führenden Entwickler, Hersteller und Anbieter von Medizin- und Hygieneprodukten & Services in den Bereichen Wundversorgung & Kompressionstherapie sowie OP ein global player mit 60 Konzernbeteiligungen und -töchtern sowie rund 6.200 Mitarbeitenden.
Investition in Äthiopien
Die Eröffnung von L&R Äthiopien erfolgte im Herbst 2024, heute zählt man rund 300 Mitarbeitende. Am 15.000 Quadratmeter großen Standort im Industriegebiet Bole Lemi am Rande von Addis Abeba werden Sentinex® PRO OP-Mäntel SMMS im Reinraum produziert. Die Einweg-OP-Mäntel werden bei operativen Eingriffen vom Gesundheitspersonal aus Gründen der Infektionsprophylaxe1 bzw. Hygiene getragen. Die in Äthiopien produzierten Medizinprodukte werden an eine Vielzahl von Kund:innen in Gesundheitseinrichtungen in Europa geliefert. Geführt wird das Produktionsunternehmen von einem fünf-köpfigen Management-Team unter der Leitung von General Manager Solomon Nekatibeb.
Was hat L&R zur Investition in Äthiopien bewogen? Seit vielen Jahren verfolgt L&R eine ambitionierte Wachstumsstrategie. Diese umfasst nicht nur Wachstum im Sinne des Umsatzes und Absatzes, sondern auch ein klares Bekenntnis zu in-house-Entwicklungen (F&E) und v. a. eigenen Produktionsstätten und -kompetenz. L&R verfügt weltweit heute über 18 eigene Produktionsstandorte – davon zwölf in Europa (Österreich, Deutschland, Tschechische Republik, Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Niederland und Portugal), zwei in Nord-Amerika (USA und Mexiko), zwei in Asien und einer jeweils in Südamerika (Brasilien) und eben Afrika (Äthiopien).
Oberstes Ziel für L&R ist es, immer die bestmögliche Versorgung der Kund:innen bzw. der Gesundheitssysteme zu leisten. L&R verfolgt hierzu eine „multiple-sourcing“ und „near-shoring“ Strategie – d. h. man setzt auf mehrere Produktionsstandorte, eine Vielzahl an Lieferanten und Produktionsstandorte nahe Europa, um eine möglichst hohe Versorgungssicherheit zu ermöglichen.
Thomas Menitz, CEO und COO von L&R: „Aus der größten Pandemien der letzten Jahrzehnte kommend haben wir gespürt, wie sehr die von uns schon immer im Fokus stehende Liefersicherheit noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen hat. Über drei Jahre Corona-Pandemie, aber auch die politischen & militärischen Krisen sowie Kriege der letzten Jahre, die sich negativ auf Transportwege aus Fernost niederschlagen haben, haben uns wie auch unsere Mitbewerber vor große Herausforderungen und Versorgungsengpässe gestellt. Zusätzliche Produktionsstandorte nahe Europa, wie eben in Äthiopien, sind hier Teil einer Lösung, um uns krisenresilienter aufzustellen und damit ganz im Sinne unserer Kund:innen zu agieren. Oberste Priorität ist es, die höchstmögliche Versorgungssicherheit für unsere Kund:innen zu gewährleisten.“
Hinzu kommt, dass L&R als Familienunternehmen vermehrt soziale Verantwortung auch in den Ländern des globalen Südens übernehmen möchte und auch tut. Thomas Menitz ergänzt: „Die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und danach hat gezeigt, dass wir Lösungen nicht nur in Europa, sondern auch z. B. in Afrika schaffen müssen. Hier kann auch die Industrie ihren Beitrag leisten. In unserer Produktion in Äthiopien haben bereits 300 Menschen Arbeit gefunden und können damit sich und ihre Familien versorgen. Wir sind stolz, mit unserer Tochter in Addis Abeba aktiv zur nachhaltigen sozialen Entwicklung beizutragen!“
Vor 2024 wurden die Einweg-OP-Mäntel im L&R-eigenen Werk in Xishui / China produziert, heute wird ein Teil in Äthiopien hergestellt. Von der Verlagerung eines Teils der Produktion versprach man sich eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und eine erhöhte Flexibilität zur Bewältigung potenzieller Engpässe bei Produktions- oder Transportkapazitäten aus Fernost. Auch die Nähe zum afrikanischen Markt bzw. die Wachstumsaussichten in Äthiopien motivierten L&R zu investieren.
Thomas Menitz, CEO und COO von L&R: „Neben den bereits genannten Gründen ist unsere Investition in Äthiopien und an vielen anderen Orten Teil unserer Wachstumsstrategie, um unsere globale Präsenz im Medizinproduktemarkt auszubauen, unsere Abhängigkeit von China abzubauen und die Medizinprodukteindustrie in Äthiopien zu stärken. Wir sahen und sehen in Äthiopien viele interessante Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten.“
Wie sieht heute, knapp 2 Jahren nach dem Start der Produktion in Äthiopien, ein erstes Resümee von L&R aus?
Thomas Menitz: „Es ist ein gemischtes Bild. Ich denke, unser lokales Team und die beratenden internationalen Kollegen leisten hier hervorragende Arbeit – vielen herzlichen Dank dafür hier auch an dieser Stelle. Auch möchte ich mich bei den Mitarbeitenden der österreichischen Botschaft und des Außenministeriums, sowie der Österreichischen Entwicklungsagentur ganz herzlich für ihre Unterstützung bedanken. Ohne diesen tatkräftigen Beitrag würden wir heute hier nicht stehen. Unsere Erwartungen wurden allerdings auch etwas gedämpft und wir sind mit einigen Herausforderungen konfrontiert, darunter die hohen Logistikkosten, die schlechten und begrenzten Transportverbindungen nach Europa sowie die umfangreiche Bürokratie im Land, die zu langen Bearbeitungszeiten, z. B. bei der Zollabfertigung, führt.“
Das Unternehmen erhält – entgegen den ursprünglichen Versprechungen – nur begrenzt konkrete Unterstützung für ausländische exportorientierte Unternehmen. Zudem blicke man hohen Zöllen und fehlenden Subventionen entgegen (im Vergleich zu umfangreichen Förderungsmöglichkeiten zu China). Auch grundlegende Betriebsmittel sind entweder nicht verfügbar oder im Vergleich zu China und Europa deutlich teurer.
Thomas Menitz: „Auch wenn – oder gerade weil – der Aufbau hier nicht immer einfach war und wir uns nun den genannten Herausforderungen stellen, haben wir eine enorme Lernkurve durchlaufen. Ich bin stolz auf die Arbeit, die das Team bereits geleistet hat und weiterhin leistet. Wir sind nach wie vor von der Sinnhaftigkeit dieser Investition überzeugt – denn gerade die letzten Wochen haben gezeigt, dass unsere near shoring und multiple sources Strategie wichtiger denn je sind. Eines steht fest: Als wichtiger Akteur in der Gesundheitsversorgung in Österreich, Europa, Afrika und weltweit nehmen wir die Verantwortung der bestmögliche Versorgung der Gesundheitssysteme sehr, sehr ernst. Und dies zeigt sich im Konkreten auch hier in Addis Abeba.“
Weiterbildungen und Kooperationen
Eines der wichtigsten Angebote für Mitarbeitende bei L&R sind Aus- und Weiterbildungsangebote im Rahmen der hauseigenen Weiterbildungsinstitution L&R Academy. In der Unternehmensgruppe werden mehr als 500 multilinguale Schulungen und Workshops pro Jahr, sowohl in Präsenz- als auch in Online-Formaten, angeboten. Diese Lernprogramme umfassen u. a. Produkt-Workshops, Sprachkurse, Trainings zu KI- und PC-Anwendungen, Soft Skills u.v.m. und sind teils auch zertifiziert. Auch die Mitarbeitenden bei L&R Äthiopien absolvierten zu Beginn ihrer Tätigkeit ein intensives Onboarding und Training.
Nicht zuletzt sind auch L&R Kund:innen, d. h. Gesundheitspersonal, eine wichtige Zielgruppe der L&R-Weiterbildungsangebote. Diese werden entweder direkt von L&R oder auch in Kooperation mit Partnern durchgeführt. Global sind hier zu nennen die Vereinten Nationen (UNO), Weltgesundheitsorganisation (WHO), verschiedene europäische und österreichische Bildungsinstitutionen und im Raum Naher Osten & Afrika die „National Agency for Health Evaluation and Accreditation, Türkei“ (INEAS), die „Islamic World Eucational, Scientific and Cultural Organization“ (ICESCO), die „Arab League Educational, Cultural and Scientific Organization“ (ALECSO) oder die „Pan-African Women in Health“ (PAWH).Speziell im Bereich der Wundversorgung von akuten und v. a. chronischen Wunden – eines der Hauptanwendungsgebiete von L&R Produkten (Wundauflagen, Kompressionsbinden und -systeme) – bietet L&R zahlreiche Fortbildungs-Möglichkeiten an.
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1 Eine Reihe von Studien zeigt, dass die Verwendung von Einweg-OP-Mänteln(und Einweg-OP-Abdeckungen) mit einer geringeren Infektionsrate und somit einem besseren Schutz bei risikoreichen Operationen verbunden ist.
- The effect of reusable versus disposable draping material on infection rates in implant-based breast reconstruction: a prospective randomized trial., Showalter BM et al., Annals of plastic surgery (2014); or
- Perioperative Skin Preparation and Draping in Modern Total Joint Arthroplasty: Current Evidence., Markatos K et al., Surgical Infections (2015), or
- Glove and gown effects on intraoperative bacterial contamination., Ward WG Sr et al., Annals of surgery (2014)
Das in den L&R OP-Kitteln verwendete SMMS-Material (Polypropylen) ist sehr leicht und schützt trotzdem zuverlässig vor Bakterien und Flüssigkeiten. Es gewährleistet die Zirkulation von Luft, Wärme sowie Wasserdampf und reduziert thermophysiologische Belastungen.
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Lohmann & Rauscher Unternehmensgruppe
Lohmann & Rauscher (L&R) ist ein international führender Entwickler, Hersteller und Anbieter von erstklassigen Medizin- und Hygieneprodukten höchster Qualität – vom klassischen Verbandstoff bis zum modernen Therapie- und Pflegesystem. 1998 aus den beiden Unternehmen Lohmann (gegründet 1851) und Rauscher (gegründet 1899) entstanden, verfügt L&R über 170 Jahre Kompetenz als zuverlässiger Problemlöser für seine Kunden.
Mit weltweit mehr rund 6.200 Mitarbeitenden, 60 Konzerngesellschaften und Beteiligungen sowie mehr als 140 ausgewählten Partnerfirmen in 120 Ländern ist L&R in allen wichtigen Märkten der Welt vertreten und erreichte 2025 ein Umsatzvolumen von 893,5 Millionen Euro. L&R Standorte mit Headquarter-Funktion sind Wien (Österreich) und Rengsdorf (Deutschland).
Die unternehmerische Haltung von L&R spiegelt der Claim People.Health.Care. wider: der Mensch, seine Gesundheit und die Fürsorge für beide.
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In Österreich arbeiten bei L&R Österreich, Rauscher Consumer Products und Rauscher Dornbirn (alle L&R Konzerntöchter) heute mehr als 650 Mitarbeitende. Standorte sind Wien, Schönau a. d. Triesting (NÖ), Graz (STMK) und Dornbirn (VBG), L&R hält hier sowohl F&E, Produktion, Logistik, Qualitätsmanagement als auch Verwaltungs-Einheiten.
In Äthiopien arbeiten rund 300 Mitarbeitende bei L&RÄthiopien am Standort im Industriegebiet Bole Lemi am Rande von Addis Abeba. Dort werden Einweg-OP-Mäntel für den europäischen Markt produziert.